Traumfigur nach der Schwangerschaft – wie soll das denn gehen?!

„Ist doch ganz einfach“, sagt Heidi Klum, nimmt den Hörer in die Hand und ruft David Kirsch an. Der wohl exklusivste Trainer dieser Zeit steigt in New York in den Flieger und kommt zu ihr nach LA, bewohnt den Gästetrakt und trainiert sie jeden Tag in 2 Einheiten (während ihre Kinder von den Nannys betreut werden), bereitet gemeinsam mit dem Personal Cook die Mahlzeiten zu  – und schwupp steht Heidi 8 Wochen später strahlend schön und sexy mit einem diamantbesetzten BH und riesigen Engelsflügeln für Victoria´s Secret auf dem Laufsteg. Bling!

Das ist, wenn man den Medien glauben darf, wohl tatsächlich so passiert – hat aber leider in den wenigsten Fällen etwas mit dem Alltag in unserer Welt gemeinsam. Aber weißt du was? Das ist gar nicht schlimm. Denn auch wenn du nicht Heidi Klum bist bzw. ihre Gene hast, kannst du dich nach deiner Schwangerschaft wieder fit, leistungsfähig und auch schön fühlen. Der Schlüssel liegt in der Alltagstauglichkeit – also darin, dein Training in den Alltag mit deinem Baby integrieren zu können, sinnvolle Ernährungsstrategien zu entwickeln und dabei dein Ziel im Auge zu behalten. Apropos Ziel: das beste Training, der ausgeklügelste Ernährungsplan, die coolsten Fatburn-Übungen sind für die Tonne, wenn dein Mindset nicht stimmt. Aber dazu später mehr…

Was hat sich verändert?

Ganz kurz gesagt: alles. Jeder Parameter in deinem Leben hat nun andere Vorzeichen. Sowohl in und an deinem Körper als auch in deinem Herzen und deiner Seele. Völlig andere Gegebenheiten und Lebensumstände torpedieren auf einmal alles, was vorher ohne nachzudenken einfach gemacht oder gelassen wurde.

Wer Mutter ist, kann nachvollziehen, warum drei einsame Minuten auf dem Klo die Welt bedeuten können – oder auch, warum ungestört eine kurze Dusche zu absolvieren der pure Luxus ist.

Die Hormone spielen verrückt, alles fühlt sich weich und instabil an. Der Busen schmerzt, die Ringe unter den Augen sind tief und dunkel. Schlafmangel ist ein Albtraum – für frischgebackene Mütter leider ein wahr gewordener. Der Blick in den Spiegel wird zunächst gerne vermieden. Schließlich hat man ja auch Wichtigeres zu tun, oder? Die Versorgung des kleinen Bündels Leben in deinen Armen hat oberste Priorität. Und das soll auch so sein, die Natur hat sich was dabei gedacht. Sei geduldig mit dir und vor allem sei dankbar. Was dein Körper die letzten Monate geleistet hat, ist der absolute Wahnsinn. Gib ihm die Zeit, sich zu akklimatisieren und sich einzustellen auf die neue Aufgabe in deinem Leben.

Wann kann´s losgehen mit dem Training?

Diese Frage pauschal zu beantworten, ist meiner Meinung nach nicht möglich. Jede Frau hat eine andere Timeline, ein anderes Gefühl für den Zeitpunkt von „jetzt bin ich mal an der Reihe“. Ich habe schon Frauen betreut, die bereits Großmutter waren. Und auch eine, deren Entbindung erst drei (!) Wochen zurück lag. Aber beide hatten für sich persönlich den Zeitpunkt ermittelt, der zu ihnen passte.

Das ein oder andere Mal drifteten „Wunsch“ und „Wirklichkeit“ auseinander und wir haben den Start für ein gemeinsames Training noch einen Moment nach hinten verschoben. Auch das ist völlig legitim. Du spürst genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, auch mal wieder ein wenig Egoismus in dein Leben zu lassen und an dich selbst zu denken – gerade in einer Zeit, in der du am allermeisten für Andere da bist und am allerwenigsten an dich selbst denkst…

Die meisten Frauen fühlen sich nach 3 bis 12 Monaten wieder bereit für Sport (und ich meine NICHT die Rückbildungsgymnastik).

Und: Problemfälle wie Beckenbodensenkungen oder Rektusdiastasen gehören unbedingt in die Hände von Spezialisten.

... und wie war das jetzt mit dem Mindset?

Man scheitert nicht, weil das Trainingsprogramm nicht cool genug war oder weil man 15 Gramm Kohlenhydrate zuviel gegessen hat. Man scheitert, weil man kein wirklich emotional aufgeladenes Ziel hat. Ein Ziel, was aus tiefstem Herzen erreicht werden will. Ein Ziel, das einen antreibt.
Ein Beispiel:

Die junge Mutter hat vor 3 Monaten entbunden. Es ist Ende Februar. Die Hochzeit ist auf den 25. Mai terminiert. Die Einladungen sind längst verschickt und ihre engsten Freunde sowie die ganze Familie werden da sein. Es soll der schönste Tag in ihrem Leben werden, sie kann es kaum erwarten. Der Fotograf ist gebucht. Das Kleid ausgesucht. Es passt noch nicht ganz und zwickt noch um die Hüfte und die Folgen der Schwangerschaft sind ihrem Körper anzusehen…. was meinst du, wird sie es schaffen?

Ja, das wird sie. Weil ihr Weg ein Herz hat. Weil ihr Ziel emotional so sehr aufgeladen ist, dass es fast platzt. Sie wird einfach phantastisch aussehen, weil sie alles gegeben hat.

Du schaffst alles, was du wirklich willst. Du bestimmst das Tempo. Du hast die Macht.

Der Schlüssel liegt in der Alltagstauglichkeit

Man spürt also nun den richtigen Zeitpunkt und ist trotzdem ratlos. Wie soll das bitte gehen mit dem Sport? Wer diese Frage stellt, würde folgende Ratschläge bekommen:

 

  • werde dir über deine Ziele klar
  • finde dein „Warum“
  • setze dir deine Prioritäten
  • hole dir Hilfe, egal ob für´s Training oder für die Betreuung deines Kindes
  • es macht keinen Sinn, alles auf einmal ändern zu wollen. Fang klein an, ändere zunächst die ungewollte Angewohnheit, deren Änderung dir am leichtesten fällt, konditioniere dein neues Verhalten und erst dann nehme dir die nächste Sache zur Brust
  • führe ein Ernährungstagebuch
  • integriere mehr Bewegung in deinen Alltag (z.B. Treppe statt Fahrstuhl etc). Wenn du es nicht schaffst, mindestens 3.000 Schritte am Tag zu gehen, wirst du erst recht kein Trainingsprogramm durchhalten können
  • jede Minute zählt. Besser 5 Minuten workout als gar kein workout
  • strukturiere dir deinen Tag, setze dir Termine mit dir selbst in deinen Kalender, schau dich um nach Slots für ein kleines Training. Auf dem Spielplatz ist eine Sitzbank frei? Mach ein paar Step ups rauf und runter oder ein paar Liegestütze auf der Sitzfläche. Und ja, es ist egal, was die Anderen denken… Sport hat nicht immer nur was mit 120 Minuten Training in deinem Fitnessstudio zu tun. Sport kannst du den ganzen Tag machen, immer und überall. Sehe deine Welt durch Sport-Augen
  • hab Spaß!